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Die 5 häufigsten Gründungsängste – Teil 2

02. Juni 2022
Die 5 häufigsten Gründungsängste – Teil 2

Welcome back zum Thema Gründungsängste, Teil 2. Das Institut für Jungunternehmen (IFJ) bringt Teil 2 der häufigstens Gründungsängste mit dem Experten Nicolas Dietiker. Der IFJ Startup Support unterstützt bei Gründungsvorhaben.

Zum Einstieg, Teil 1 in seiner Essenz: 1. Mein Ziel ist es, dass alle, die gerne unternehmerisch tätig wären und Erfolgschancen haben, diese auch nutzen. 2. Um Deine Erfolgschancen abzuklären, sind Ängste hinderlich, denn sie verzerren die Wahrnehmung. 3. Notwendige Voraussetzung um Ängste abbauen zu können ist es, diese zunächst zu identifizieren. Im ersten Teil habe ich die Angst vor Misserfolg, Kritik und Häme sowie unwiderruflichen Entscheidungen beleuchtet. Hier werde ich nun zunächst auf die letzten beiden Ängste eingehen und anschliessend drei Konzepte vorstellen, welche Dir bei der Entscheidungsfindung «Gründen oder nicht?» behilflich sein könnten.

 

Angst Nr. 4: Angst vor Fehlern

Vielleicht hast Du eine tolle Idee, ein solides Netzwerk und sogar einen ausgeklügelten Plan um Dein Unternehmen aufzubauen. Dennoch wagst Du den ersten Schritt nicht, weil Du nichts falsch machen möchtest?

Das klingt nach Angst vor Fehlern. Und damit bist Du nicht allein… Wenn ich auf meine eigene unternehmerische Entwicklung zurückschaue, ist dies wahrscheinlich der erste Punkt, den ich anders machen würde, hätte ich die Gelegenheit nochmals anzufangen: Ich habe retrospektiv viel zu viel überlegt und zu wenig einfach mal probiert. Grund: Man will ja nichts falschmachen… Et voilà, damit hatte ich meinen grössten Fehler bereits begangen.

Fehler sind ein unvermeidbarer Teil des Unternehmertums. Natürlich ist es vorteilhaft, möglichst wenige zu begehen, jedoch niemals auf Kosten der Geschwindigkeit. Planen und Theoretisieren ist schön. Wahre Erkenntnisse hast Du aber nur, wenn Du tatsächliche Marktreaktionen sammelst, wofür Du etwas tun musst. Die Realität ist, dass sich (abgesehen von Dir selber) häufig gar niemand für Deine Fehler interessiert. Meine Empfehlung ist daher simpel: «Probiere gaht über Studiere!»

 

Angst Nr. 5: Angst vor Planlosigkeit

«Ich wäre total gerne selbständig. Ich habe aber keine Ahnung wie!»

Könnte der von Dir sein? Hast Du Dir nach dieser Erkenntnis sofort drei Bücher über Entrepreneurship gekauft? Wenn nicht, dann riecht das stark nach Angst vor Planlosigkeit. Grundsätzlich kann dazu festgehalten werden, dass Unternehmertum keine exakte Wissenschaft ist. Wenn Du Dich also nur in stark strukturierten und geregelten Umgebungen wohlfühlst, ist eine Selbständigkeit wahrscheinlich nicht der einfachste Weg für Dich.

Für mich persönlich war genau das Gegenteil der Fall: Ich mag Regeln total gerne, solange ich mit ihnen einverstanden bin. Dieses kritische Hinterfragen des Status Quo mag eine Folge davon sein, dass ich Volkswirtschaftslehre und Unternehmensführung studiert habe. Zudem war mein Vater eine Zeit lang Unternehmer und ich habe Dutzende einschlägige Bücher gelesen. Ich fühle mich also recht sicher in dem Bereich.
 
Mein Tipp: Ganz ohne unternehmerisches Wissen zu starten, ist nicht ratsam. Zum Glück ist Wissen im 21. Jahrhundert aber omnipräsent. Du kannst googeln, youtuben, Bücher lesen oder Podcasts hören, um mal einige Möglichkeiten zu nennen. Ausserdem gehört es als Wachstumspartner für KMU zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, Unternehmer im Aufbau zu begleiten. Dafür nutze ich ein Konzept, welches mittlerweile gut 100 Unternehmer erfolgreich umgesetzt haben (ich inklusive). Der Vorteil davon: Ich predige kein generisches Wissen, sondern passe alles auf Deine Person und Situation an.

Ob mit oder ohne Partner: Sieh zu, dass Du erfahrene Unternehmer in Deinem Netzwerk hast und tausche Dich regelmässig und offen mit ihnen aus. Nun zu den versprochenen drei Konzepten:

 

Konzept Nr. 1: All-In vs. Rantasten

Auch wenn Du der geborene Unternehmer bist – der berühmte «Sprung in die Selbständigkeit» bleibt ein Risiko – wenn man denn wirklich springt. Wie in der Badi gibt’s aber neben dem Sprungturm auch noch eine Treppe, wo Du Dich in aller Ruhe «benetzen» kannst.
 
Die Geister scheiden sich an der Frage, was nun besser ist: Job kündigen und «all-in gehen» oder erstmal Pensum reduzieren und nebenberuflich starten. Ich denke, es lässt sich objektiv festhalten, dass 100 Prozent Fokus auf ein Projekt schon gewisse Vorteile bringt, da das Unterbewusstsein dann für einen arbeitet anstatt an anderen Baustellen rumzugrübeln. Auf der anderen Seite kann die Spekulation auf ein einziges Projekt jedoch auch Stress auslösen und zu verkrampftem Auftreten führen, was wiederum destruktiv für die Unternehmensentwicklung wäre.
 
Meine Empfehlung: Ich finde 60 Prozent Anstellung und 60 Prozent Unternehmertum eine gute Übergangslösung. Ja, das gibt zusammen 120... Der Vorteil ist, dass man mit 60 Prozent dem Arbeitgeber doch noch ein gewisses Commitment zeigt und etwas festes Einkommen einkalkulieren kann. Auf der anderen Seite sind für die ersten selbständigen Schritte (Beziehungs- und Teamaufbau, Produktentwicklung, etc.) drei Tage oft ausreichend.

 

Konzept Nr. 2: Spass vs. Geld

Meines Erachtens ist einer der grössten Fehler, die man als Jungunternehmer machen kann, zu schnell zu viel Geld verdienen zu wollen.

Oftmals dauert dies schlichtweg eine Weile. Wer erntet, bevor die Früchte reif sind, macht die Saat kaputt. Wer hingegen ausgeglichen und happy ist, weil ihm primär der Prozess (also seine Arbeit) und nicht nur der Output ($) Spass macht, der ist gerngesehener Lieferant / Partner / Kunde. Der Erfolg kommt dann als Konsequenz davon.

Wenn Du Dich also selbständig machst, schau unbedingt, dass Dir Deine Tätigkeit Spass macht, denn Du wirst möglicherweise in den ersten Monaten wenig bis kein Geld damit verdienen.

 

Konzept Nr. 3: Jetzt vs. Später

Der Eine oder Andere mag sich jetzt die Frage stellen: «OK, ich tu’s, aber wann?»

Es ist mir ein echtes Anliegen, dass Du Dich, wenn Dich der Gedanke nicht mehr loslässt, baldmöglichst einmal seriös damit auseinandersetzt. Seriös heisst für mich, wie im ersten Teil erwähnt, respektvoll aber angstfrei. Ein Unternehmen birgt gewisse Risiken. Das Unterlassen jedoch auch! Man bedenke all die Stressbelastung bis hin zum Burnout aufgrund einer unliebsamen Beschäftigung… Ganz nach Simon Sinek:
 
 

«Working hard for something we don't care about is called stress. Working
hard for something we love is called passion.»

 
Für mich galt es damals abzuwägen, ob nun das Risiko des Unternehmens oder jenes des Unterlassens grösser war: Wie motiviert bin ich (noch) in meinem aktuellen Job? Wie gerne stehe ich morgens auf? Welche Entwicklungsperspektiven habe ich? Wie gut entsprechen mir die Rahmenbedingungen (#Morgenmuffel)? Kurz: Was sagt mein Herz?
 
Sagt auch Dein Herz Ja, solltest Du möglichst bald mal konkret Deine Chancen ausloten. Sprich mit erfahrenen Unternehmern. Wenn Du möchtest auch gerne mit mir.
 
Ich hoffe wirklich, dass ich für den Einen oder Anderen etwas zur Klarheit bei der Entscheidungsfindung beitragen konnte. Ich möchte, dass jeder, der kann und will, auch tut! Anfangen kannst Du genau jetzt, indem Du mich einfach mal auf LinkedIn addest. Ich freue mich über neue Kontakte. Man weiss schliesslich nie, was die Zukunft so bringt.

Der IFJ Startup Support unterstützt dich bei deinem Gründungsvorhaben gerne weiter.

 

Quelle: Newsletter Institut für Jungjungernehmen (IFJ)