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Neugründungen in der Schweiz Q1 bis Q3 2022

30. September 2022
Neugründungen in der Schweiz Q1 bis Q3 2022

Eine drohende Energiekrise, sicherheitspolitische Unsicherheiten sowie international anhaltende Corona-Massnahmen: Nicht die optimalen Voraussetzungen, um eine eigene Firma zu gründen. Nichtsdestotrotz steht Gründen weiterhin im Trend.

Dies zeigt die IFJ Studie «Nationale Analyse Schweizer Firmengründungen Q1 bis Q3 2022». In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres wurden 37'092 neue Firmen im Schweizer Handelsregister eingetragen. Dies entspricht einem leichten Rückgang von -1.6% im Vergleich zur Vorjahresperiode (Q1 bis Q3 2021), welche mit 37'693 Neugründungen als Rekord in die Geschichte einging.

Starke Unterschiede in den Grossregionen – Zürich weiterhin als Gründungsmotor

Im Q1 bis Q3 2022 sind Zürich (+3.0%) und Tessin (+0.8%) die einzigen Grossregionen mit einem Zuwachs. Die weiteren Grossregionen Südwestschweiz (-0.7%) und Ostschweiz (-1.6%) verzeichnen nur leichte Rückgänge im Vergleich zur Vorjahresperiode. Etwas höher liegt der Rückgang an Neugründungen in den Regionen Zentralschweiz (-3.9%) Espace Mittelland (-4.3%) und Nordwestschweiz (-4.3%).

Kantone mit noch mehr Gründungen als im Rekordvorjahr

In 11 Kantonen konnte die Anzahl Neugründungen in den ersten neun Monaten 2022 gegenüber der rekordhohen Vorjahresperiode nochmals gesteigert werden. Dies sind aktuell die Kantone mit einem Wachstum an Schweizer Firmengründungen: Appenzell Innerrhoden (+24.4%), Jura (+9.5%), Glarus (+4.0%), Solothurn (+3.9%), Zürich (+3.0%), Obwalden (+2.5%), Freiburg (+2.4%), Waadt (+1.3%), Tessin (+0.8%), Wallis (+0.6%) sowie St. Gallen (+0.5%).

In diesen Kantonen wird aktuell weniger gegründet

Die Kantone mit nur leichten prozentualen Einbussen sind Zug (-1.6%), Schaffhausen (-1.9%), Aargau (-3.2%), Genf (-3.9%), Luzern (-4.2%), Neuenburg (-4.6%), Graubünden (-4.6%) und Thurgau (-4.9%). Die stärksten prozentualen Rückgänge an Firmengründungen wurden in den Handelsregisterämtern der Kantone Bern (-10.0%), Uri (-9.0%), Schwyz (-8.3%), Nidwalden (-7.3%), Basel-Stadt (-6.4%), Aargau (-5.3%) und Basel-Land (-5.0%) registriert.

Rechtsformen im Vergleich

In der Schweiz ist die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) mit Abstand die beliebteste Rechtsform, wenn es um die Gründung einer neuen Firma geht. Insgesamt 14'721 (+1.8%) neue GmbH wurden im Q1 bis Q3 2022 eingetragen. Relativ hoch ist der Rückgang von -11.8% an neu gegründeten Kollektivgesellschaften, welche mit 983 Neueinträgen zu den unpopuläreren Rechtsformen gehört.

Entwicklung Q1 bis Q3 der letzten 5 Jahre

Seit den letzten fünf Jahren verzeichnen die ersten drei Quartale pro Jahr einen stetigen Anstieg an Anzahl Neugründungen. Im Durchschnitt wurden in den letzten fünf Jahren 34'649 neue Firmen in den ersten drei Quartalen pro Jahr eingetragen. Das Q1 bis Q3 2022 verzeichnet mit 37'092 Neugründungen das zweithöchste Niveau und liegt mit +7.0% signifikant höher als der Durchschnitt der ersten drei Quartalen in den letzten fünf Jahren.

Neugründungen nach Branchen

Zu den top Wachstumsbranchen im laufenden Jahr gehören Hightech (+21.9%), Gesundheitswesen (+12.3%) sowie Transport & Logistik (+10.9%). Die höchsten prozentualen Rückgänge verzeichnen Land- & Forstwirtschaft (-16.7%), Grosshandel (-13.4%) sowie der Detailhandel (-11.6%). Die Analyse zeigt, dass weiterhin der Handel stark zu kämpfen hat. Nebst den zwei gründungsintensiven Branchen Gesundheitswesen und IT & ICT verzeichnen vor allem kleinere Branchen sehr positive Akzente.

Die Schweiz bietet weltweit top Voraussetzungen für Unternehmertum

Die drohende Energiekrise sowie die geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten treffen auch die Schweizer Bevölkerung hart. Trotzdem zeigen sich Schweizer Macherinnen und Macher mutig und optimistisch. Schweizer Firmengründer/innen geben auf die Frage «Wieso eigentlich gründen?» eine eindeutige Antwort: In ihrem eigenen Unternehmen sehen sie die Möglichkeit, mehr Freiheiten zu erlangen.
 
Wie wichtig Selbständigen eine ideale Balance zwischen Mut und Verstand ist, zeigt diese Zahl ganz besonders: Zum Zeitpunkt der Gründung sind 66% der Gründer/innen noch in einem anderen Unternehmen angestellt. Nach der Gründung geht diese Zahl auf etwa 40% zurück. Der Sicherheitsgedanke lässt sich also ideal mit dem Wunsch nach mehr Freiheit kombinieren.
 
Die positive Langzeitentwicklung der Firmengründungen hat sich im laufenden Jahr auf einem hohen Niveau gefestigt. Nach wie vor finden wirtschaftliche Bereinigungen in einigen Branchen statt. Mit der Energiekrise stehen zudem viele Unternehmen unter Druck und sind in ihrer Existenz bedroht. Trotzdem suchen Menschen mehr denn je nach sinnhafter Beschäftigung. Und wie in allen schwierigen Zeiten werden auch aus der aktuellen Situation viele Innovationen und Verbesserungen entwickelt.

Weiterführende Links

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Quelle: Newsletter Institut für Jungunternehmen (IFJ)

Bild: Andreas Fischinger, Unsplash